Zauberer des Windes


Im Segeln in der Klasse Star wurde er gemeinsam mit seinem besten Freund und Mitbürger Nicola Rodeo zweifacher Olympiasieger und dreifacher Weltmeister.
Er wurde in einer Familie mit langer Tradition in der Seeschifffahrt geboren. Der Vater, Pietro, war Miteigentümer von vier Dampfschiffen, auf denen auch der Onkel Giovanni unterwegs war. Der Vater liebte es, sich nach Reisen in seinem Segelboot zu entspannen, auf dem ihm der kleine Tino Gesellschaft leistete und jedes Wort über Segel und Boote einsaugte. Mit fünf Jahren konnte er schon schwimmen und mit dem Segelboot fahren, natürlich unter dem wachen Auge seines Vaters. Schon bald schenkten ihm Vater und Onkel ein kleines Boot mit einem 2 Meter hohen Mast. Der Onkel erklärte ihm, wie man die Ausrüstung benutzt und sagte daraufhin: “Jetzt weißt du alles, spring rein, treffe alle Vorbereitungen und fahr los“, diesen Satz benutzte Tino später als Titel seiner Autobiografie “(Rüste dich aus und gehe! Arma e vai!”).
Für seinen erfolgreichen Schulabschluss in der Seeschule in Mali Lošinj belohnte ihn sein Vater mit zwei Jahren Freiheit. Diese Zeit nutzte Tino für das Segeln auf einem Fünf-Meter-Boot, auf dem er sich gemeinsam mit seinem Hund auf den Weg zu den dalmatinischen Inseln machte. Da kam es schon vor, dass er einige Wochen am Stück nicht nach Hause kam. Er verbrachte seine Zeit damit, Fische zu fangen, die Besonderheiten des Meeres und des Windes zu erkunden. Außerdem trainierte er seine Sinne, indem er seine Möglichkeiten und Grenzen erforschte.
Im Jahre 1934 schrieb er sich in die Marineakademie in Livorno ein. Der italienischen Kriegsflotte diente er bis zur seiner Pensionierung. Bei der Entminung des Hafens Taranto im Jahre 1946, wo er als freiwilliger Diversant tätig war, kam es zu einer Explosion, bei der er fast erblindete.
Sie nannten ihn „Zauberer des Windes“, denn er konnte die Änderung der Windrichtungen ‘riechen’, bevor es überhaupt dazu kam. Als Kapitän des Schulschiffes “Amerigo Vespucci” fuhr er 1965 unter vollen Segeln aus dem Hafen Taranto aus, ohne Motor und ohne Schlepper, durch einen engen Durchgang einer beweglichen Brücke, was bis heute niemand mehr wiederholte. Im selben Jahr segelte er auf der Themse nach London. Für seine Verdienste in der italienischen Kriegsflotte erhielt er 9 Orden.
Von 1997 bis 2002 gewann er fünf Mal in Folge auf der italienischen Veteranen-Regatta Over-60’s. Als er das fünfte Mal siegte, war er 88 Jahre alt, zwei Jahre vor seinem Tod. Er lebte mit seiner Frau und seiner Tochter in Rom. Immer wenn er konnte, kam er gerne auf seinem Boot „Kerkyra“ nach Lošinj. Der italienische Präsident Carlo Azeglio Ciampi ernannte ihn im Jahre 2001 zum Ritter des Großen Kreuzes und zeichnete ihn für seine Verdienste mit einem Orden aus. Im Jahre 2000 wurde er Ehreneinwohner von Lošinj. Nach seinem Tod in Rom wurde er nach eigenem Wunsch vom Hubschrauber der italienischen Kriegsmarine auf seine Geburtsinsel überführt, wo er in der Familiengruft auf dem Friedhof Sveti Martin beerdigt wurde.

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